Zur „neuen Normalität“

Es wird sie immer geben: Die Ängstlichen, Schwarzseher und Pessimisten auf der einen und die Mutigen, Frohnaturen und Optimisten auf der anderen Seite.
Es ist erfreulich, dass es die so genannten Lockerungen gibt, die allmählich und vorsichtig zur Normalität zurückführen. So ist der Urlaub an der Ostsee gerettet und musste nicht storniert werden. Ob das Schwimmen/Schwimmtraining ab 30. Mai wieder möglich ist, werden wir sehen, da bin ich zuversichtlich, zumal der Vereinssport unbedingt wieder reaktiviert werden muss.

par or­d­re du muf­ti – geht nicht

Liebe Frau Merkel, wir leben immer noch in einer Demokratie, in der jeder einzelne Wähler der Souverän ist, vertreten durch die Abgeordneten des Parlaments, des Bundestags. Herr Brinkhaus hat recht! Das Kabinett und/oder die Ministerpräsidentenkonferenz sind keine Verfassungsorgane. Trauen Sie Ihrem Volk doch zu, dass es zu 95% vernünftig mit der Corona-Pandemie umgeht! Und lernfähig ist!
Ansonsten riskieren Sie weit Schlimmeres mit Ihrem zögerlichen Verhalten. Ich persönlich kann mich mit den Maßnahmen unserer Landesregierung in NRW sehr gut anfreunden, auch wenn es nicht immer einfach ist, Verordnungen zu verstehen, wie z.B. die jetzt doch gekommene Maskenpflicht beim Einkaufen. Aber sei’s drum, wir haben eine selbstgenähte Atemschutzmaske! Wenn ich sie schon tragen MUSS, dann hätte ich auch gern entsprechende Lockerungen, z.B. die Reisemöglichkeit innerhalb Deutschlands!

Ungewissheit

Diese Ungewissheit geht mir allmählich auf den Zeiger! Klar, die Politik muss aus dem wenigen Daten- und Faktenmateriel, das die Wissenschaftler über das COVID-19-Virus bisher haben, Verordnungen erlassen, um die Ausbreitung im Griff zu behalten. Dass wir das alles so hinnehmen müssen, vor allem die Beschränkungen unserer Grundrechte, das nervt, je länger es dauert und kein Impfstoff und/oder Medikament gegen den Erreger gefunden worden ist. Trotzdem: Ich möchte endlich wieder schwimmen gehen können oder zum Friseur; ich möchte im Sommer wie geplant an die Ostsee!
Die Maßnahmen wirken teilweise eher willkürlich als nachvollziehbar. Da muss ich z.B. den Kirchenvertretern Recht geben, die den Vergleich zu Supermärkten ziehen. Die wenigen Kirchenbesucher, die es noch gibt, könnten weit genug auseinander sitzen und Gottesdienst feiern.
Genauso willkürlich finde ich die 800-qm-Begrenzung für den Einzelhandel, ich bin auf die Klagen gespannt.

μηδὲν ἄγαν

μηδὲν ἄγαν (lies: mädén ágan) = „Nichts zu sehr“ oder „immer die goldene Mitte“! Das ist schon seit Jahrzehnten mein Lebensmotto, dank meines Alt-Griechisch-Unterrichts am Gymnasium Herzogenrath. Das gilt auch in der aktuellen Situation der Pandemie des Corona-Virus‘: Nicht komplett verharmlosen, aber auch nicht in Hysterie und Panik verfallen. Für Hamsterkäufe habe ich keinerlei Verständnis. Kriminell finde ich das Verhalten einiger Zeitgenossen in Bezug auf Destinfektionsmittel. Wo bitte ist hier das Maß? Und auch die Stigmatisierung von Menschen, die ganz normal husten und nießen müssen oder die aus dem Kreis Heinsberg kommen, einfach nur „krank“!

Scheinlegalität

Die Weimarer Republik endete damit, dass formaljuristisch korrekt auf der Grundlage der Weimarer Verfassung Hitler am 30.01.1933 von Reichspräsident Hindenburg zum Kanzler ernannt wurde. Die Weimarer Verfassung hatte dem Reichspräsidenten eine erhebliche Machtfülle gegeben, die ihm u.a. gestattete, mit Notverordnungen zu regieren und den Reichstag aufzulösen. Nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch vom 09.11.1923 hatten sich die Nazis auf die Legalitätsschiene begeben und die Schwächen des Weimarer Systems schamlos genutzt, um es von innen zu zerstören. Letzter Akt war die sogenannte Reichstagsbrandverordnung vom 28.02.1933, eine Notverordnung des Reichspräsidenten (sic!), die „bis auf weiteres“ die Grundrechte außer Kraft setzte. Damit war der Unrechts- und Willkürstaat Hitlers (schein-)legal installiert.

Thüringen ist nicht Weimar, aber die verlogenen Tricks der Höcke-AfD offenbaren deutlich, dass der Strippenzieher diese historischen Gegebenheiten sehr gut zu kennen scheint. Der große Unterschied der Weimarer Republik zu heute ist, dass Deutschland keine „Republik ohne Republikaner“ ist. Insofern ist mir nicht bange um die Zukunft unserer Demokratie. Aber wir müssen wachsam sein und unseren Beitrag zur wehrhaften Demokratie leisten. Weggucken und Wegducken ist gefährlich.

Goodbye GB

Schade um jeden Briten, der die EU eigentlich nicht verlassen wollte. Die Lügen eines Mr. Farage & Co. hatten das Wählerverhalten 2016 massiv beeinflusst. Womit kein vernünftiger Europäer gerechnet hatte, war vor dreieinhalb Jahren passiert: Großbritannien verlässt die EU.
Ich bin gespannt, was sich daraus entwickelt.
Bleibt nur noch zu sagen: Auf Wiedersehen – Goodbye!

Beziehungsgrade

In seinem Buch „Alt werden wie ein Gentleman“ beschreibt Sven Kuntze mit einem schönen Bild die Grade der Beziehungen, die man im Leben entwickelt und hat. Er benutzt das Bild von konzentrischen Kreisen, die je nach Beziehungsart immer weiter nach außen gehen: Die engste Beziehung besteht mit dem Partner und der Familie, der nächste Kreis sind die weitere Verwandtschaft, dann wirkliche Freunde, es folgen (gute) Bekannte und Nachbarn; der Kreis der beruflichen Kontakte liegt dahinter, manche Menschen aus diesem Kreis „schaffen es“ in den Kreis der guten Bekannten, Ausnahmen in den Freundeskreis.
Ich selbst habe es quasi gestestet und zwar mit den Grüßen zum Jahresende: Ich habe diesmal nicht von mir aus sämtlichen ehemaligen Kollegien Weihnachts- und Neujahrsgrüße geschickt. Das Ergebnis war sehr ernüchternd: Nur vereinzelt meldete sich der ein‘ oder die andere. Was eine andere Erkenntnis von Sven Kuntze bzw. seiner Mutter bestätigt: „Kehre nie zurück (= in dein ehemaliges Berufsumfeld), du störst!“ Und wie singen die Höhner? „Fründe in der Not jehen hundert op e Lot!“ ALAAF!!!

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