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Archiv: Sonntag, 1. Februar 2009

“Unser” (deutscher) Papst hat einmal mehr meine Erwartungen enttäuscht. Nachdem er vor zwei Jahren mit der Zulassung des tridentinischen Ritus (Messfeier auf Latein, Priester dem Volk abgewandt, wie vor 1965 noch üblich) auch eine alte Karfreitagsfürbitte wieder ermöglicht hat, in der für die Bekehrung der (verstockten) Juden gebetet wird, holt er jetzt vier erzkonservative Bischöfe der “Priesterbruderschaft Pius X.” zurück in die Gemeinschaft der katholischen Kirche. Das allein ist schon Grund zur Frage nach den Motiven des Papstes: Was verspricht er sich außer der “Einheit in Frieden” davon?
Den Frieden hat er jedenfalls damit nicht hergestellt, sondern das Gegenteil. Empörung und Proteste, nicht nur bei jüdischen Gläubigen, vor allem über die unerträglichen Äußerungen einer der Bischöfe zum Holocaust. Unabhängig davon, dass die Leugnung des millionenfachen Mordes an Juden während der NS-Zeit bei uns ein Straftatbestand ist, sehe ich im Lager der (Erz-)Konservativen in der katholischen Kirche die Tendenz, zur eigenen Profilstärkung den alten christlichen Antijudaismus hervorzuholen. Ebenso unbestreitbar wie unlösbar geht es hier um die Kernfrage, die so genannte Messias-Frage: Ist Jesus von Nazareth der im Alten Testament (der jüdischen Bibel) versprochene Erlöser (Messias, Gesalbter Gottes, lat. Christus)? Für die Juden ist die Antwort ebenso klar (NEIN) wie für die Christen (JA). Und das ist – vor allem für die Christenheit – das Problem. Denn das Judentum ist die ältere Religion, Jesus selbst war Jude. Wenn die Juden zu Recht bis heute auf den Messias warten, dann kann es ihrer Meinung nach Jesus nicht gewesen sein. Und das ist für Christen die schlimmste Form des Irrglaubens, also Verstocktheit, Nicht-glauben-wollen. Daraus erklärt sich – wohl angemerkt: nicht “rechtfertigt sich”(!) – der immer wieder in der Geschichte aufgetretene Hass von Christen auf Juden mit all den bekannten mörderischen Erscheinungen. Aber gerade die Geschichte zwischen 1933 und 1945 hat vernünftige Menschen beider Glaubensrichtungen dazu gebracht, das Verbindende zu betonen und zu pflegen und das unlösbar Trennende im Miteinander auszuklammern (nicht zu verdrängen oder zu vergessen). Und hier geht Papst Benedikt offensichtlich wieder in die alte Richtung, warum auch immer…

Egi Laufen am Sonntag, 1. Februar 2009 | Abgelegt unter: Allgemein,Religion | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar
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